Restorative Justice Familientag

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Der Restorative Justice Familientag war der emotionale Höhepunkt unserer Gefängniswoche in Südafrika. An diesem besonderen Tag trafen Inhaftierte auf ihre Familien. Dabei ging es um Verantwortung, ehrliche Aussprache und die Möglichkeit, erste Schritte in Richtung Heilung zu gehen.

Restorative Justice Bildungsreise 2025 Gefängniswoche Familientag

Familien zusammenbringen

Bevor der Restorative Justice Familientag beginnen konnte, mussten wir die Familien zunächst abholen. Das war jedoch alles andere als einfach.

In Südafrika laufen viele Dinge anders als in Deutschland. Einerseits wirkt das oft entspannt, andererseits fehlt es bei solchen Veranstaltungen an klaren Strukturen. Es gab keine festen Absprachen, wer wen abholt. Außerdem fehlten häufig genaue Adressen oder Telefonnummern.

In einigen Townships existiert nur eine Hauptstraße. Von dort führen kleine Wege und Pfade zu den einzelnen Hütten. Dadurch wurde die Suche zusätzlich erschwert.

Unterwegs in den Townships

Unsere Reiseleiterin kannte sich jedoch bestens aus. Sie kennt die Menschen, die Kultur und auch den Umgang mit solchen Situationen. Deshalb sprach sie direkt Leute an und fragte sich durch.

Da sie die gängigen Sprachen fließend spricht, konnten wir schnell Kontakte knüpfen. Anfangs sorgte unsere Suche für Verwunderung. Doch nach kurzer Zeit wurden wir unterstützt und sogar zu den Familien geführt.

So fanden wir nach und nach alle Angehörigen. Zwar mussten wir uns immer wieder beeilen und mehrfach ausrücken, aber am Ende erreichten alle Familienmitglieder das Gefängnis in Goodwood.

Restorative Justice Bildungsreise 2025 Gefängniswoche Familientag

Konfrontation mit der Familie

Im Gemeinschaftsraum warteten die Inhaftierten bereits gespannt. Das Programm lief schon, als die letzten Familien eintrafen.

Beim Restorative Justice Familientag erhielt jedes Familienmitglied die Möglichkeit, offen zu sprechen. Viele nutzten diese Chance.

Einige schilderten ihre Trauer, ihre Angst und ihre Hilflosigkeit. Andere äußerten Wut und Unverständnis. Gleichzeitig wurde jedoch immer wieder deutlich, dass trotz allem Liebe vorhanden war.

Restorative Justice Bildungsreise 2025 Gefängniswoche Familientag

Emotionale Begegnungen

Eine Mutter sagte ihrem Sohn offen, dass sie froh sei, dass er im Gefängnis ist. Sie hoffte, dass er dadurch zur Besinnung kommt. Gleichzeitig erzählte sie, wie sehr die Familie unter seinem Verhalten gelitten hat.

Solche Momente waren schwer auszuhalten, aber gleichzeitig unglaublich wichtig.

Die Inhaftierten übernahmen Verantwortung für ihre Taten. Viele entschuldigten sich bei ihren Familien. Dabei flossen Tränen – nicht nur bei ihnen, sondern auch bei uns.

Nach den intensiven Gesprächen veränderte sich die Stimmung. Essen und Getränke wurden verteilt, und alle kamen im Hinterhof zusammen.

Plötzlich wurde gelacht, geredet und umarmt. Familien, Inhaftierte und sogar Beamte standen gemeinsam beieinander. Diese Mischung wirkte ungewohnt, aber gleichzeitig sehr besonders.

Gerade diese offene und vertrauensvolle Situation machte den Restorative Justice Familientag so einzigartig.

Abschied nehmen

Die gemeinsame Zeit verging viel zu schnell. Schon bald mussten sich die Familien wieder verabschieden.

Es wurde gedrückt, geweint und ein letztes Mal innegehalten. Danach verließen die Angehörigen das Gefängnis – so chaotisch, wie sie gekommen waren.

Auch für uns war es der letzte Tag in Goodwood. Während die Inhaftierten ihren Prozess fortsetzen, endete unsere direkte Begleitung an diesem Punkt.

Der Restorative Justice Familientag hat uns eindrücklich gezeigt, wie wichtig Begegnung, Verantwortung und Vergebung sind. Gerade im Kontext von Restorative Justice in Südafrika wird deutlich, wie viel Kraft in ehrlichen Gesprächen und echten Beziehungen steckt.

Diese Erfahrungen haben uns tief bewegt – und sie werden uns noch lange begleiten.

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